Hamdi Ulukaya - ein Joghurt-Milliardär kämpft für Flüchtlinge
Die Geschichte von Hamdi Ulukaya macht Mut. "In der Minute, in der Flüchtlingen ihren ersten Job haben, hören sie auf, Flüchtlinge zu sein", sagt der kurdisch-stämmige Manager, der mit seiner Joghurtfirma Chobani in den USA zum Milliardär wurde. In seinem Unternehmen gehören Flüchtlinge zum Erfolgskonzept. Angesichts der weltweit dramatisch wachsenden Zahl von Menschen, die ihre Heimat verlassen, wirbt der 43-Jährige nun um mehr Engagement auch von anderen Unternehmern. Einige große Namen hat er schon mit an Bord.
Ulukaya ist selbst ein Einwanderer. Der Sohn einer kurdischen Milchbauern-Familie aus der Türkei kam vor gut 20 Jahren zum Englischlernen in die USA - und blieb. 2002 gründete er zunächst eine kleinere Feta-Fabrik. Grundstein für den Erfolg war dann drei Jahre später der Kauf einer stillgelegten Joghurt-Fabrik des Kraft-Konzerns im Örtchen New Berlin im Bundesstaat New York.
Anderthalb Jahre später brachte Ulukaya seinen Joghurt nach griechischer Art auf den US-Markt - und der Siegeszug begann. Inzwischen ist der Joghurt so etwas wie der letzte Schrei in den USA und Ulukaya laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" längst Milliardär.
"Teil meines Erfolges sind Flüchtlinge", sagt Ulukaya heute. Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern für seine wachsende Fabrik sei er vor gut fünf Jahren auf ein rund 50 Kilometer entferntes Flüchtlingszentrum zugegangen. Dort habe man ihn zunächst mit großen Augen angesehen, als er von seinen Plänen sprach.
Da sei es zunächst nur um Probleme gegangen. Etwa um den Transport. "Da habe ich gesagt, lasst uns das organisieren." Oder um die Sprache. "Dann habe ich gesagt, dann sorgen wir für die Übersetzung." Also stellte er seinen neuen Beschäftigten Dolmetscher zur Seite.
Es hat sich ausgezahlt. Die Flüchtlingen seien besonders motiviert, erzählt Ulukaya. "Sie haben so viel auf sich genommen, als sie ihre Heimat verlassen haben." Inzwischen hat er 600 Flüchtlinge in seinen Werken angestellt, ein Drittel der gesamten Beschäftigten.
Elf verschiedene Sprachen werden dort inzwischen gesprochen. Und es habe nicht einen einzigen heiklen Zwischenfall gegeben. Viele bauten eigene Häuser, die Tochter eines Mitarbeiters studiere inzwischen an der US-Eliteuniversität Yale.
"Wir dürfen die Flüchtlinge nicht in der Ecke stehen lassen, wir müssen sie integrieren", fordert der Unternehmer. Und hier sieht er die Wirtschaft stärker gefordert. "Wir können diese Aufgabe nicht allein den Regierungen und Nichtregierungsorganisationen überlassen."
Unternehmen seien gefragt. "Wir müssen das tun, was Unternehmer am besten können: Probleme lösen", sagt Ulukaya.
"Wir müssen schneller werden, größer denken und die Konzepte für die Hilfe von Flüchtlingen erneuern. Sie stammen noch aus den 1940er Jahren", meint der Self-Made-Milliardär. Dem Chef der Internationalen Organisation für Migration, William Lacy Swing, spricht er damit aus dem Herzen: "Wir müssen die Migration besser managen." Dabei sei der Privatsektor ein wichtiger und verlässlicher Partner.
Und so hat Ulukaya eine eigene Stiftung ins Leben gerufen - Tent, zu deutsch Zelt, heißt sie. Dabei geht es längst nicht nur um Spenden. Vielmehr sollen sich führende globale Unternehmen zusammenschließen, um mit sektorenübergreifenden Innovationen neue Wege zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zu finden.
Einige große Namen sind schon dabei. Der Unterkunft-Vermittler AirBnB etwa stellt Helfern in den Krisenregionen Reiseguthaben zur Verfügung, Ikea liefert bessere Zelte für Flüchtlingslager, und das Karrierenetzwerk LinkedIn hilft in einem Pilotprojekt in Schweden bei der Vermittlung von Flüchtlingen als Arbeitskräfte. Auch Mastercard und der Logistikkonzern UPS machen mit. Bis Mitte 2016 will Ulukaya bis zu 100 weitere Partner gewinnen.
Beim Weltwirtschaftsforum in der vergangenen Woche im Schweizer Alpenkurort Davos warb er unermüdlich um Mitstreiter. "Es geht nicht nur um Syrien. Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht", sagt Ulukaya. "Die Zeit drängt." An die Politik hat er dabei einen typischen Unternehmerwunsch: weniger Bürokratie und klarere Entscheidungen./enl/stk (dpa)
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