Front of Pack-Labels: Studien belegen nur geringen Impact auf Essmuster

Labels benötigen für richtigen Umgang und langfristige Wirkungen auf die Gesundheit zusätzliche Maßnahmen zur Aufklärung und Information der Konsumenten

15.03.2021 - Österreich

Aufgrund von steigenden Prävalenzen von ernährungsmitbedingten Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen plant die EU-Kommission die verpflichtende Einführung von Front of Pack-Labels (FOPLs) – also eine erweiterte Nährwertkennzeichnung auf der Packungsvorderseite. Mit dieser in der Farm to Fork-Strategie formulierten Maßnahme sollen die Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten verbessert und die Verbreitung von Zivilisationskrankheiten eingedämmt werden. Aktuell stehen sieben Modelle zur Diskussion. Dabei sollte aber klar sein, dass FOPLs nur ein Baustein sein können, um die gewünschten Effekte zu erreichen, so Marlies Gruber, Geschäftsführerin und Ernährungswissenschafterin beim forum. Ernährung heute (f.eh): "Als alleinige Maßnahmen ohne begleitende Informationskampagnen und einem umfassenden Aufbau von Kompetenzen behalten etwa 80 Prozent der Konsumenten ihre Ernährungsgewohnheiten bei. Es braucht also auch eine Aufklärung über die dahinterstehenden Kriterien und eine grundlegende Ernährungsbildung."

Im Rahmen der Farm to Fork-Strategie hat die Europäische Kommission die Einführung eines verpflichtenden und einheitlichen Systems bei FOPLs bis Ende 2022 in Aussicht gestellt. Die Kennzeichnung soll dabei auf verschiedenen Ebenen wirken und die Konsumenten unterstützen, sich einfach und schnell über die ernährungsphysiologische Qualität von Produkten zu informieren. Derzeit sind die Labels freiwillig und in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich gestaltet: Während Schweden mit dem Keyhole-Label sein eigenes System etabliert hat, sind in anderen Ländern Europas mit den Guideline Daily Amounts, der Ampelkennzeichnung, dem Healthy Choice- und dem Finish Heart-Symbol sowie dem Nutri-Score mehrere Systeme in Verwendung. Italien hat mit dem Nutrinform-System im Herbst 2020 noch eine weitere Kennzeichnungsmöglichkeit vorgestellt, um die Säulen der mediterranen Ernährung verstärkt zu berücksichtigen.

Das f.eh hat die unterschiedlichen Labels auf Stärken und Schwächen untersucht. "Dabei zeigt sich, dass der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn Front of Pack-Labels vorhanden sind. Demgegenüber verbessert sich jedoch die Einschätzung des Stellenwerts eines Produktes für eine ausgewogene Ernährung. Insgesamt ändert sich den rezenten Studien zufolge das Kaufverhalten durch Front of Pack-Labels allerdings nur geringfügig bis gar nicht", so Marlies Gruber. Langfristige gesundheitliche Effekte sind somit unwahrscheinlich und werden in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur auch nicht belegt. "Wesentlich wichtiger als einzelne Nahrungsmittel und Nährstoffe sind gesamte Essmuster, Zubereitungsarten und Portionsgrößen. Ernährungsbildung in allen Altersgruppen bleibt also eine wesentliche Grundlage für ein tiefergehendes Verständnis für eine gesunde Ernährungsweise", betont Marlies Gruber.

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